Neues Stuck-Stück in der Villa: Das Muschelstillleben

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Die Villa Stuck konnte vor kurzem mithilfe des Vereins zur Förderung der Stiftung Villa Stuck e. V. ein kleines Ölgemälde von Franz von Stuck aus Privatbesitz erwerben. Besucher können das „Muschelstillleben“, entstanden um 1892, nun in den Historischen Räume bewundern.

Erstmals gezeigt wurde es 1893 zusammen mit hauptsächlich mythologischen und christlichen Werken des Künstlers auf der „I. Internationalen Kunst-Ausstellung des Vereins bildender Künstler Secession“. Somit ist es eine Besonderheit: von Franz von Stuck sind bloß wenige Stillleben bekannt. In den programmatischen Rahmen der Ausstellung passte dieses Frühwerk des Malers jedoch sehr gut.

Moderner Wandel in Münchner mit der Münchner Secession

Bis zur Gründung des Vereins bildender Künstler Münchens Secession 1892 wurde der staatliche Kunstbetrieb von der konservativen Münchner Künstlergenossenschaft (MKG) gelenkt. Diese hatte sich in erster Linie einem nationalistischen Historismus verschrieben und ließ keinen Raum für moderne Entwicklungen.

Die Münchner Secession hingegen, an deren Gründung Franz von Stuck maßgeblich beteiligt war, verfolgte eine freiere Ausstellungspolitik. Sie propagierte avantgardistische Stilrichtungen wie Freilichtmalerei, Symbolismus und Jugendstil. Abseits der damals vorherrschenden opulenten Figurenmalerei rückten dadurch in der ersten Ausstellung der Secession traditionell weniger angesehene Gattungen, wie beispielsweise das Stillleben oder die Landschaftsmalerei, mehr in den Vordergrund.

Die Wiedererweckung einer „toten Gattung“

Besonders das Stillleben, das das „leblose“ Objekt zum Gegenstand hat, wurde in der klassischen Gattungshierarchie ganz unten eingeordnet. Durch genaue Naturbeobachtungen und Abstraktion versuchten die avantgardistischen Künstler das Wesen eines Objektes zu erfassen und der Gattung auf diese Weise neues Leben einzuhauchen.

So zeichnet sich auch Franz von Stucks Muschelstillleben durch eine genau beobachtete Darstellung der Oberflächenbeschaffenheit aus. Die Muschelschale steht alleine vor einem im dunkelroten Farbton verlaufendem Hintergrund. Nichts lenkt von dem schillernden Perlmutt des Muschelinneren ab, dessen irisierende Eigenschaft der Maler mit feinem Gespür eingefangen hat. Somit steht nicht nur das Objekt selbst uneingeschränkt im Zentrum, sondern Franz von Stuck scheint vielmehr bis zu seinem Kern vorgedrungen zu sein. Diesen macht er schließlich durch seine stimmungsvolle Umsetzung auf der Leinwand auch für den Betrachter sichtbar.

 

 

Dieser Artikel stammt von Katrin Schultze-Naumburg und ist der zweite Teil unserer neuen Reihe „Blog-Studenten“

Katrin Schultze-Naumburg, 27, ist Studentin der Jüdischen Museologie und Kunstgeschichte an der LMU und der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Das späte 19. Jahrhundert fasziniert sie mit seiner kulturellen Vielfalt als Zeit des Auf- und Umbruchs besonders. Aus demselben Grund schlägt ihr Herz für München, weil sich Tradition und Moderne hier ständig aneinander reiben.

 

 

 

 

Bilder: Katrin Schilling

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