Nipplegate auf der Villa Stuck-Facebookseite

Nach der Bundeskunsthalle Bonn im Jahr 2015 und dem Pariser Museum Jeu de Paume (2013) hat Facebook die Seite der Villa Stuck kurz vor Weihnachten lahm gelegt. Der Grund: Die nackte Brust von Franz Stucks Salome, gedruckt auf einem Katalog.

Allein sind wir also mit diesem Facebook-Sperr-Problem nicht, wenn es sich um nackte Körperdarstellungen handelt. Jüngst traf es die italienische Kunsthistorikerin Elisa Barbari, die das Bild einer nackten Neptun-Skulptur als Teil eines Brunnens aus Bologna postete, wie jetzt berichtet.

Ist das Kunst oder muss das auf Facebook weg?

Für die Seite der Villa Stuck verwunderten uns indes gleich zwei Dinge: Franz Stucks Sünde wäre doch für diese Sperrung viel passender gewesen, oder nicht? Immerhin ist sie schon seit April 2015 in unserer Bildergalerie zu sehen.

Gut sie ist etwas klein und im Hintergrund. Die so verwerfliche Brust kaum zu sehen. Aber wie wäre es mit diesem Foto aus unserer Ausstellung „Gute Aussichten. Junge deutsche Fotografie“ von vor zwei Jahren? Hier blitzen den Betrachter (Obacht!) gleich acht Brustwarzen auf einmal entgegen.

Nein, auch das war damals kein Grund, um alle Seitenadministratoren auf Facebook abzumelden mit dem Hinweis, man hätte gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstoßen.

Facebook legt die Freiheit der Kunst fest?

Auf der Facebook-Website listet das Unternehmen natürlich eine Reihe von Gemeinschaftsstandards auf und das Thema Nacktheit findet sich dort prompt unter der Rubrik „Respektvollen Umgang fördern“ und „Nacktheit“.

Hier steht eigentlich der Passus:
„Außerdem sind Fotos von Gemälden, Skulpturen und anderen Kunstformen erlaubt, die nackte Figuren zeigen.“

So weit haben wir also eigentlich nichts falsch gemacht. Denn immerhin unterscheidet sich ein Post eines Museums von einem Justin-Bieber-Popo-Bild oder gar einer barbusigen Kim Kardashian, sollte man meinen.

Außerdem posteten wir das kurze Video mit Salomes Brust einige Wochen zuvor auf Instagram. Dort gelten normalerweise dieselben Richtlinien wie für Facebook, seitdem das Unternehmen 2012 von Facebook für 760 Millionen Euro gekauft wurde. Ein Problem mit der Brust hatte dort allerdings niemand, das Video ist dort nämlich weiterhin online.

Wie gut, dass die SZ kürzlich in ihrer investigativen Recherche „Im Netz des Bösen“ genau dargelegt hat, wer eigentlich im europäischen Raum zumindest bei Facebook unter anderem für die Löschung von Beiträgen verantwortlich ist.

Aber wir wollen mal nicht so sein, immerhin ist der Job echt nicht beneidenswert. Und vermutlich war das bei der Villa Stuck auch nur ein Versehen und die oder der Mitarbeiter sind einfach von der Maus gerutscht. Soll ja hin und wieder passieren, wie man hört.

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