Tom Ising über Martin Fengel #34

Die Autoren der bisherigen 33 Blogeinträge haben auch das berufliche Netzwerk von Martin Fengel aufgezeigt. Ein wichtiger Knotenpunkt ist dabei die Designagentur Herburg Weiland, die er gemeinsam mit Tom Ising vor 13 Jahren gegründet hat. Heute interpretiert Ising das Blau und den Mann.

„Seit meiner Kindheit träume ich davon, den Nordpol zu erreichen,
nun stehe ich auf dem Südpol.“

„Es geht in diesem Bild vor allem um das Blau des Himmels. Es ist kein einfach zu beurteilendes Blau. Man könnte dem Blau unterstellen, es wäre ein geschmacksneutrales Blau, ein Bildagentur-Blau. Es setzt sich ziemlich genau aus 80% Cyan, 50% Magenta und einem verschwindend geringem Anteil Gelb zusammen. Man kennt dieses Blau sehr gut. Es fühlt sich nach einem wolkenlosen Frühlingstag in der Bucht von Reykjavik an, die Tageszeit wäre wohl gegen Mittag. Oder an diese seltenen Tage im Herbst im Biergarten auf dem Oktoberfest, wenn noch nicht alle Plätze besetzt sind und man auf Freunde wartet, die sich ein wenig verspätet haben. Ein Blau, das man in vielen Fotografien eher zu vermeiden sucht. Die frühe Morgenstunde wird hier verlangt, das Gegenlicht am Abend, ein leicht grauverhangener Himmel, der die Kontraste ausradieren soll.

Aber nicht so in diesem Bild. Hier konzentriert sich der gesamte Bildinhalt auf die große blaue Himmelsfläche. Nichts hier ist langweilig oder bekannt. Das Blau ist überall. Der kleine Mann in der Mitte des Bildes aus Beton oder Granit scheint die Augen vor der blendenden Mittagssonne und dem übermächtigem Blau zu schirmen. Es ist schwer abzuschätzen, wie groß die Skulptur ist.

Fotografiert wurde aus einer leichten Untersicht, was auf die Größe der Skulptur hinweisen könnte. Vielleicht aber auch auf die erhöhte Platzierung, um einen freien Blick auf den Horizont und die andere Küste – die man leicht in der unteren linken Ecke des Bildes erkennen kann – zu garantieren. Auch der Standort des Bildnisses lässt sich nur vermuten. Skandinavien kommt in den Sinn oder die baltischen Staaten. Man fühlt sich erinnert an die Skulpturen des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland im Frognerpark in Oslo. (Abb. 1)

Der Mann im Bild wirkt nicht martialisch oder gar bedrohlich, eher ruhig und besonnen. Der Entstehungsgrund der Skulptur hat natürlich etwas mit dem Meer zu tun, auf das der Mann blickt. Sie könnte an diesem Ort zur Erinnerung an einen längst verstorbenen Forscher errichtet worden sein. Ernest Shackleton etwa, oder Fridtjof Nansen (Abb. 2 und Abb. 3).

Als Erinnerung an eine Zeit, in der man ohne die Hilfe von modernen Geräten wie Satellitennavigation oder Goretex-Westen kalte Regionen der Welt erforschte. Das gravierte Wolfsrudel auf dem Sockel der Skulptur wären dann keine Wölfe sondern Schlittenhunde. Die seltsame undefinierte Figur des Mannes erinnert an das berühmte Bild von Roald Amundsen auf Skiern vor seinem Haus in Norwegen auf dem er einen dicken Anorak aus Wolfsfell trägt (Abb. 4).

Die Fotografie ist präzise, klar und einfach. Nichts lenkt von zentralen Motiv ab. Auf diesem Bild gibt es nur den Mann aus Stein und das Blau des Himmels. Mehr nicht … aber eben auch nicht weniger.“ (Tom Ising)

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 3

Abb. 4

Fengel`scher Bildatlas – der Nachklapp: Auf mucbook und im Blog der Villa Stuck zeigen wir noch bis 4. März jeden Montag Texte verschiedener Autoren zu Bildern von Martin Fengel. Die Zugabe rekrutiert sich aus Bildern, die im Rahmen des Kunstprojektes „Wachs“ bereits ihren Platz im Foyer der Villa Stuck gefunden hatten, als das Begleit-Blog startete.

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