Roger Ballen und das SZ-Magazin in der Villa Stuck

Just an dem Abend der Vernissage von Roger Ballens „Theater der Absurdität“ wurde das SZ-Magazin in Hamburg bei den LEAD-Awards unter anderem als bestes Magazin ausgezeichnet. Genau an dem Tag des Erscheinens der Edition46. Jedes Jahr seit 1990 wird die komplette Gestaltung der 46. Ausgabe des SZ-Magazins einem zeitgenössischen Künstler übertragen. In diesem Jahr hatte Chefredakteur Timm Klotzek den Südafrikaner Roger Ballen angerufen  – und danach Michael Buhrs von der Villa Stuck. Bei Beiden stieß Klotzek auf positives Feedback. Bis 8. Februar ist die Ausstellung bei uns im Hause zu sehen.

Am Tag des Erscheinens der Edition46 setzte Redakteur Tobias Haberl das im Heft gedruckte Interview mit Roger Ballen auf der Vernissage fort. Ballen gibt darin Einblicke in seine Fotografie „der Absurdität“, wie er es nennt, die weder erschrecken noch erheitern soll – der Effekt bleibe dem Betrachter selbst überlassen. Während die Menschen in Europa oft albtraumhaften Schauder empfinden, gebe es in seiner südafrikanischen Wahlheimat beim Blick auf die Bilder oft „viel Gelächter“. Außerdem erläuterte Ballen seine intensive Auseinandersetzung mit den Porträtierten, die nicht selten in einer jahrelangen persönlichen Beziehung münden.

Hier das Video für alle, die an dem Abend nicht dabei sein konnten.

Edition 46 – Gespräch mit Fotokünstler Roger Ballen from Süddeutsche Zeitung Magazin on Vimeo.

Wie sein Vorbild Evans hat auch Ballen eine Neigung zu psychologischen Inszenierungen. Die Körperhaltungen, Gesichtsausdrücke, die Einbeziehung der heruntergekommenen Umgebung kehren innere Zustände nach außen: Einsamkeit, Verzweiflung, den Autismus des von der Gesellschaft Verstoßenen. Ballen begnügte sich aber immer weniger mit der rein dokumentarischen Fotografie vor Ort, sondern verlegte sie nach und nach in ein Studio, wo er die Inszenierung des Elends zuspitzte.

Und gleich noch eine kleine Presseschau:

„Man kann nun darüber streiten, ob diese Erweiterung der Stärke von Roger Ballen Motiven dient oder nicht. Erkennbar geht es ihm nicht darum, die Kontrolle über die Inszenierung langsam an seine Modelle abzugeben, sie ihre eigene Geschichte inszenieren zu lassen. Er bleibt Herr des Verfahrens und benutzt die Portraitierten scheinbar wie ein Spiegel seiner eigenen, ominösen Innerlichkeit.“

(deutschlandfunk.de)

„FREAKSHOW IN SCHWARZWEISS – Roger Ballens Bildinszinierungen sind nichts für empfindsame und wohlstandsgepamperte Gemüter. Die Münchner Villa Stuck zeigt eine konzentrierte Werkauswahl des in Südafrika lebenden Fotografen, der sich zunehmend vom Dokumentaristen zum Arrangeur grotesker Bildwelten wandelt.“

(art-magazin.de)

„Beim Betrachten von Roger Ballens Fotos fühlt man sich in den Alpträumen seiner Kindheit gefangen – doch aufwachen möchte man trotzdem nicht.“

(afk94.5)

ROGER BALLEN
Theater der Absurdität
15.11.2014 – 08.02.2015

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