„Warum Never Give Up the Spot?“ Hirschhorns Ruinenlandschaft hinterfragt

Thomas Hirschhorn NeverGiveuptheSpot

Der Titel dieser neuen Arbeit ist gleichzeitig das Programm und er bestimmt ihre Mission: Die Position halten, den Standort halten, nie den Standort ‚aufgeben‘, nie die Position verlassen, nie die Position ändern. „Never Give Up The Spot“ heisst auch: Vor Ort sein und am Ort durchhalten. Die Frage stellt sich: Warum seine Position verlassen? Warum seine Sichtweise anpassen? Warum seine Überzeugnung aufgeben? Weil es ökonomische, politische, kulturelle Argumente dagegen gibt? Weil es der ‚Zeitgeist‘ will?

Gilt nicht – im Gegenteil – durch das Einhalten der Position eine Behauptung zu wagen, damit zu insistieren und schlussendlich mit dieser Behauptung, mit diesem Standpunkt den Durchbruch zu schaffen? Es geht um die zeitliche Verortung einer Behauptung. Die Aufforderung „Never Give Up The Spot“ habe ich – mit grossen Buchstaben hingemalt – unter einer Autobahnbrücke gesehen. Ihre Einfachheit, ihre zwingende Örtlichkeit und die Tragweite ihrer Behauptung ergeben eine klare Form, es ist eine universelle Form.

In meiner Arbeit ist der Ort – das Museum Villa Stuck – die ‚Brücke‘.

Das Museum bietet sich an, es als eine Art ‚Unterstand‘ zu sehen, als einen hierarchiefreien Ort, einen zeitlosen Platz, einen universellen Raum. Was ist ohne Hierarchie, was ist zeitlos, was ist universell, wenn nicht eine Ruine? In der Arbeit „Never Give Up The Spot“ ist das Museum Villa Stuck eine Ruine. Die zur Verfügung stehenden Ausstellungssäle werden in eine Ruinenlandschaft verwandelt, denn – das ist meine Form-Behauptung – eine Ruine ist ein hierarchiefreier Ort, ein zeitloser Platz, ein universeller Raum. Dabei ist wichtig, dass alle Ruinen ‚fake‘ Ruinen sind, aus Karton, Papier, Holz, Plastik, Styropor. Die Aesthetik der Ruine im Museum Villa Stuck ist die eines ‚Potemkinschen Dorfes‘. Es ist ein umgedrehtes Potemkinsches Dorf. Die Räume werden demnach nicht besser dargestellt als sie sind, sondern der Zustand der Räume wird ’schlechter‘ dargestellt als er in Wirklichkeit ist. Diese Form der Ruine wird die beiden Stockwerke, das obere und das untere Stockwerk – über die Wendeltreppe – zu einem Raum verbinden.

 

In dieser zerstörten Ruinenlandschaft gibt es zwei Unterstände (je einen im unteren Stockwerk und einen im oberen Stockwerk). In diesen beiden Unterständen gibt es die Möglichkeit der ‚Produktion‘. Hier kann etwas produziert werden, es sind deshalb zwei Unterstände der ‚Kreation‘. In der Arbeit „Never Give Up The Spot“ trifft ‚Zerstörung‘ (die ‚fake‘ Ruine) auf ‚Kreation‘ (die Unterstände als Werkstätten der ‚Kreation‘). Dem gleichzeitigen Kontakt oder Konflikt von ‚Zerstörung‘ und ‚Kreation‘ soll hier Form gegeben werden. Also nicht Zerstörung und dann nachfolgende Konstruktion oder Wiederaufbau, sondern ‚Zerstörung‘ und gleichzeitig ‚Schöpfung‘.

In der Ruine wird etwas konstruiert, im Chaos findet ‚Kreation‘ statt.

In den beiden Unterständen gibt es die Möglichkeit, auch ‚Unsinn‘ zu produzieren. Nicht ‚Unsinn‘ gegen oder im Gegensatz zu ‚Sinn‘, sondern ‚Unsinn‘, der die Fragen des Sinns stellt und ‚Unsinn‘, der die Problematik ‚Sinn‘ neu beleuchtet.

Den ganzen Artikel von Thomas Hirschhorn liest du hier weiter. 

Das Künstler/innenbuch kann kostenfrei mitgenommen werden.

Wichtig: Der Eintritt in die Arbeit „Never Give Up The Spot“ muss frei sein. Der Ausstellungsbesuch ist gratis, weil ich will, dass die Besucher etwas produzieren und sogar mehrmals kommen, um etwas zu produzieren.

Thomas Hirschhorn, Aubervilliers, Oktober, 2017

 

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