#StuckatHomeMVS: Maya Schweizer „Stimmen“ – Filmprogramm Teil 3

Wir haben geschlossen, doch die aktuelle Ausstellung „Stimmen“ von Maya Schweizer können Sie sich dennoch anschauen! Gemeinsam mit der Kuratorin der Ausstellung, Sabine Schmid, hat Maya Schweizer ein Filmprogramm zusammengestellt, das in vier Teilen gezeigt wird. Diese Woche stellen wir den dritten Teil des Filmprogramms vor, der für eine Woche im Rahmen von #STUCKATHOMEMVS auf dem Youtube-Kanal des Museums Villa Stuck abrufbar ist.

 

L’étoile de mer
(Der Seestern / The Starfish)
Video, 11ʹ, 2019


Maya Schweizer, L’étoile de mer, Installationsansicht Museum Villa Stuck, 2020 Foto: Jann Averwerser © Maya Schweizer und VG Bild-Kunst, Bonn 2020

„C’est une étoile qui tombe dans la mer Méditerranée“ – „ein Stern, der ins Mittelmeer fällt“ –, so beschrieb Man Ray seinen Film L’étoile de mer aus dem Jahr 1928. Der gleichnamige Film von Maya Schweizer ist eine experimentelle Navigation durch das Mittelmeer, bei der Unterwasseraufnahmen, Ausschnitte aus Stummfilmen, Material aus dem Videoarchiv der Künstlerin und Unterwasseraufnahmen sowie eingeblendete Texte und eine Toncollage ineinanderfließen. In diesem Essay aus Bild und Ton geht es um das Vergessen und um das Meer als Bezugs- und Reflexionspunkt. Das Meer als fließender immaterieller Raum scheint dabei dem Vergessen dienlich zu sein.

 

Insolite
Video, 12ʹ 17ʹʹ, 2019


Maya Schweizer, Insolite (links) und A Tall Tale (rechts), Installationsansicht Museum Villa Stuck, 2020 Foto: Jann Averwerser © Maya Schweizer und VG Bild-Kunst, Bonn 2020

„Insolite“ könnte fast die geologische Bezeichnung einer bestimmten Steinsorte sein, ist aber das französische Wort für „seltsam“ oder „ungewöhnlich“. Bilder aus der Gegenwart vermischen sich mit Aufnahmen vom letzten Ausbruch des Vesuv im Jahr 1944. Dabei folgt der Film keiner spezifischen Erzählhandlung, sondern wird vielmehr zu einer Aufzählung spannungsgeladener, unter Beobachtung stehender und mit Lava bedeckter Orte. Lebt der Berg oder ist es vielmehr die Angst, welche die Illusion unterirdischer Erschütterungen erzeugt?

#StuckatHomeMVS: Maya Schweizer „Stimmen“ – Filmprogramm Teil 2

Am 21. Oktober wurde im Museum Villa Stuck die Ausstellung „Stimmen“ von der Künstlerin Maya Schweizer eröffnet, die bislang umfassendste museale Präsentation ihrer Arbeiten. Da die Museen momentan aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen sind, hat Maya Schweizer gemeinsam mit der Kuratorin der Ausstellung, Sabine Schmid, ein Filmprogramm zusammengestellt hat, das in den kommenden Wochen in vier Teilen gezeigt wird. Diese Woche stellen wir den zweiten Teil des Filmprogramms vor, der für einen begrenzten Zeitraum im Rahmen von #STUCKATHOMEMVS auf dem Youtube-Kanal des Museums Villa Stuck abrufbar ist. 

Diese Woche können Sie sich die Filme „I, an Archeologist“, „La main seule“ und „Under the Gardens, Villa Torlonia (Sous les Jardins, Villa Torlonia)“ anschauen, der nur während dieses Programms begleitend zur Ausstellung laufen wird.

I, an Archeologist
Video, 20ʹ, 2014


Maya Schweizer, I, an Archeologist, Installationsansicht Museum Villa Stuck, 2020 Foto: Jann Averwerser © Maya Schweizer und VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Eine junge Archäologin, die als Fremdenführerin arbeitet, befindet sich zusammen mit ihrem Lichttechniker und einer imaginären Gruppe in einem dunklen Raum. Sie probt gerade ihren Rundgang durch die jüdischen Katakomben von Rom. Die Szene wird zu einem Monolog der jungen Frau, in dem sie Fragmente der Geschichte der Katakomben mit Gedanken zu ihrem eigenen Aussehen und auch mit Anweisungen an den Lichttechniker vermischt. Die Darstellung wechselt zwischen einem Bühnenstück und dem realen historischen Schauplatz.

 

Under the Gardens, Villa Torlonia (Sous les Jardins, Villa Torlonia)
Video, 4′, 2014

Der Film Under the Gardens, Villa Torlonia zeigt den öffentlichen Park der Villa Torlonia, unterhalb derer sich einige der Katakomben befinden. Die Kamera beobachtet, tastet ab, zeigt Ausschnitte und Totalen aus verschiedenen Perspektiven. Gefundene Filmsequenzen und zeitgenössisches Material überlagern sich zu einem Porträt der Villa, das seine Motive ebenfalls nicht offen legt.

Der Dialog dieses Films mit I, an Archeologist liefert Hinweise, dass auch die Villa Torlonia selbst ein Puzzelteil aus der Geschichte ist, das nach einer Einordnung verlangt. Maya Schweizers Arbeiten fordern genau eine solche Kontextualisierung heraus, ohne eine Interpretation jedoch vorweg zu nehmen.

Text: Arne Linde

 

La main seule
Video, 3ʹ, 2014


Maya Schweizer, La main seule, Installationsansicht Museum Villa Stuck, 2020 Foto: Jann Averwerser © Maya Schweizer und VG Bild-Kunst, Bonn 2020

La main seule ist eine Stilübung, die aus den Outtakes des Films I, an Archeologist besteht. Die Hand ist auch das Thema von La main seule, einem kurzen Stummfilm, der dieselbe Sequenz in einer experimentelleren und verträumteren Weise thematisiert. In einer Geste, die an die ersten Formen der Malerei erinnert – jene Handabdrücke, die in den Grotten von Lascaux gefunden wurden –, wird die Möglichkeit einer Begegnung mit der Zeit offenbart. Es ist also eine ganz andere Art des Wissens, die uns verborgene Erzählungen offenbaren kann.

Text: Cecilia Canziani

#StuckatHomeMVS: Maya Schweizer „Stimmen“ – Filmprogramm Teil 1

Am 21. Oktober wurde im Museum Villa Stuck im Beisein von Maya Schweizer die Ausstellung „Stimmen“ eröffnet, die bislang umfassendste museale Präsentation ihrer Arbeiten. Nur wenige Tage später, am  2. November, wurden die Museen geschlossen. Umso mehr freuen wir uns, dass Maya Schweizer gemeinsam mit der Kuratorin der Ausstellung, Sabine Schmid, ein Filmprogramm zusammengestellt hat, das in den kommenden Wochen in vier Teilen gezeigt wird.

Zu sehen sind alle Filme aus der Ausstellung im Museum Villa Stuck bis auf „Voices and Shells“ (2020). Für diesen, speziell für das Museum Villa Stuck produzierten, Film muss man ins Museum kommen, wenn es am 1. Dezember wieder öffnet. Als speziellen Bonus stellt Maya Schweizer aber ihren Film „Sous les Jardins, Villa Torlonia“ (2014), der nur während dieses Programms begleitend zur Ausstellung laufen wird.

Alle Filme laufen für einen begrenzten Zeitraum im Rahmen von #STUCKATHOMEMVS auf dem Youtube-Kanal des Museums Villa Stuck.

Passing Down, Frame One
(Überliefern, Teil eins)
Video, 11ʹ, 2007


Maya Schweizer, Passing Down, Frame One, Installationsansicht Museum Villa Stuck, 2020; Foto: Jann Averwerser © Maya Schweizer und VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Passing Down, Frame One stellt Schweizers Familiengeschichte in den Mittelpunkt. Die Künstlerin rekonstruiert fragmentarische Erinnerungen ihrer jüdischen Großmutter, die 1944 nur dank eines Missverständnisses der Deportation aus Lyon entging. Der Film springt zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen den Vierzigerjahren und dem Alltag Schweizers in der Gegenwart hin und her. Dieses Hin und Her prägt auch die Bild-Text-Ton-Struktur des Werks: Visuell wird der geografische Raum aufgelöst und wechselt zwischen Aix-en-Provence, Berlin und Lyon, während die Zuschauer*innen Schweizers Großmutter über ihre Vergangenheit sprechen hören. Eingefügte Textblöcke erscheinen auf dem Bildschirm und verbinden Meta-Erzählung mit Familiendokumentation.

 

A Memorial, a Synagogue, a Bridge and a Church
(Ein Denkmal, eine Synagoge, eine Brücke und eine Kirche)
Video, 12ʹ, 2012


Maya Schweizer, A Memorial, a Synagogue, a Bridge and a Church, Installationsansicht Museum Villa Stuck, 2020; Foto: Jann Averwerser © Maya Schweizer und VG Bild-Kunst, Bonn 2020

In Maya Schweizers Video A Memorial, a Synagogue, a Bridge and a Church wird ein Platz zur Laborsituation, die Künstlerin zur minutiösen Beobachterin alltäglicher Verhältnisse. Wo sind wir? Der Schauplatz ist der „Fischplatz“, Rybné námestie, in Bratislava. Hier steht das Holocaust-Denkmal, eine fünf Meter hohe Bronzestatue des slowakischen Künstlers Milan Lukáč. Sie wurde 1996/97 an der Stelle der alten Synagoge aufgestellt. Von der detailreichen Beobachtung der Materialien, aus denen die Skulptur und der Platz bestehen, führt Maya Schweizer den Betrachter filmisch um den Ort. Die merkwürdigen Überlagerungen der Epochen und deren Gestaltungsparameter an diesem Platz wären ohne die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, aber auch ohne die Erfindung des Automobils, sicher völlig anders ausgefallen. Die Zeit nach 1945 wirkt hier exemplarisch wie ein Übergriff der Nachkriegsmoderne. Sie resultiert in einer nicht wiedergutzumachenden Versehrtheit, die seitdem diesen Ort beherrscht und jeden seiner Bestandteile, das Denkmal, die Synagoge, die Brücke und die Kirche, betrifft.

Text: Brigitte Franzen

 

Manou, La Seyne-sur-Mer
Video, 9ʹ 30ʹʹ, 2012


Maya Schweizer, Manou, La Seyne-sur-Mer, Installationsansicht Museum Villa Stuck, 2020; Foto: Jann Averwerser © Maya Schweizer und VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Auf die Frage „Hast du Freunde hier im Pflegeheim?“ beschreibt Maya Schweizers Großmutter in einem streckenweise sehr klaren und wachen, stellenweise aber auch sehr verträumten Monolog, wie sie sich in ihrem neuen Zuhause fühlt. Die Frage wurde an einem Nachmittag gestellt, den sie nicht im Altersheim verbrachte, sondern „en famille“ mit Verwandten. Der Film zeigt eine fragmentarische Rekonstruktion eines Gedankenflusses, der zu keinem Abschluss kommt.

Text: Dorota Kenderova and Jaro Varga

 

Le soldat mourant des Milles
(Der sterbende Soldat von Les Milles / The Dying Soldier of Les Milles)
Video, 13ʹ, 2014


Maya Schweizer, Le soldat mourant des Milles, Installationsansicht Museum Villa Stuck, 2020; Foto: Jann Averwerser © Maya Schweizer und VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Der Film Le soldat mourant des Milles zeigt die Gedenkstätte Le Camp des Milles – eine im Zweiten Weltkrieg als Internierungslager genutzte alte Ziegelei in Aix-en-Provence – und das Denkmal eines sterbenden Soldaten, welches den im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie im Algerienkrieg Gefallenen gewidmet ist. Der dargestellte Soldat ist verwundet und lehnt an Sandsäcken. Die Kamera bewegt sich um ihn und den Platz herum. Sie nimmt den Rhythmus des zu seinen Füßen stattfindenden Pétanque-Spiels auf und zeigt dem Betrachter diese beiden Orte der Erinnerung so, wie sie heute aussehen.

Text: Thomas Kilpper

Lesung in der Villa Stuck: Volha Hapeyeva

Am 3. und 18. Oktober 2020 las die Autorin aus ihrem vor kurzem erschienenen Gedichtband Mutantengarten, Edition Thanhäuser.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit Bayern liest e.V.

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STIMMEN, die essayistischen Filmkunstwerke Maya Schweizers


Maya Schweizer, Manou, La Seyne-sur-Mer, 2012

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Bilderwolken: Philip Grönings „Phantom Oktoberfest Oktoberfest Phantom“

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Werde aktiv: THE AWARENESS MUSCLE TRAINING CENTER von Thierry Geoffroy

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Häuser bauen, Bilder malen und Mosaike basteln; das alles gibt es im Fränzchen Sommerferienprogramm der Villa Stuck dieses Jahr. Drei Workshops während der Ferienzeit bieten bunten Bastelspaß in der Villa für Kinder ab 6 Jahren.

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Geteilte Lyrik – Schreibwerkstatt Nr. 3

Schreibwerkstatt

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Das Meer, Steckzwiebeln und Corona – Schreibwerkstatt Nr. 2

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